Perspektiven von Usability

Definition von Usability

Usability ist ein allumfassender Begriff, für den es eine Vielzahl an Definitionen gibt, auch aufgrund diverser fehlerhafter Übersetzungen. Als deutsche Übersetzung hat sich für Usability der Ausdruck Gebrauchstauglichkeit bewährt.[1] Befasst man sich mit dem Thema näher, kommt man unweigerlich am Begriff Ergonomie nicht vorbei. Dieser wurde bereits im 19. Jahrhundert geprägt und per Definition handelt es sich um eine Disziplin, welche sich mit der Beziehung zwischen Menschen und Elementen eines Systems beschäftigt. Es stehen somit der Mensch, die Aufgabe, das Werkzeug und die Umgebung im Mittelpunkt (siehe Abbildung 9).[2] Mensch-Maschine-System

Abbildung 9: Mensch-Maschine-System Schema[3]
  Mit Zunahme der Multifunktionalität wurde der Begriff Benutzerfreundlichkeit immer bedeutender. Dieser Ausdruck wurde allerdings relativ rasch durch den Terminus Usability ersetzt. Im Gegensatz zur Ergonomie ist Usability keine eigenständige Disziplin. Usability bezeichnet die Qualität eines technischen Systems und ist das Ziel der Gestaltung nach Ergonomie-Erkenntnissen. Im Zusammenhang mit Usability kommt auch der Begriff Benutzungsschnittstelle (User-Interface) vor. Die Benutzungsschnittstelle geht über die grafische Benutzeroberfläche hinaus: Es werden alle Perspektiven eines Systems berücksichtigt, mit denen AnwenderInnen physisch, perzeptiv oder konzeptionell in Kontakt treten.[4]   Usability selbst kann in die Forschungsgebiete CHI (Computer-Human-Interaction), HCI (Human-Computer-Interaction – dieser Begriff wird von jenen bevorzugt, die das Individuum in den Vordergrund stellen möchten), UCD (User-centered Design) oder auch UID (User-Interface-Design) eingeordnet werden. Usability bezieht sich nach Nielsen auf alle Aspekte eines Systems mit menschlichen Interaktionen. Usability ist neben Utility der zweite Begriff, welcher unter dem Bereich Usefulness einzuordnen ist:[5] Usefulness Utility Usability
Abbildung 10: Usefulness, Utility und Usability[6]
  Laut dieser Defintion nach Nielsen ergibt Usefulness die Summe aus Usability und Utility. Ein Produkt oder System kann also anwendbar (usable) sein, auch wenn es keinen Nutzen (Utility) aufweist.[7] Shackel/Richardson definieren Usability folgendermaßen:
„The capability in human functional terms to be used easily and effectively by the specified range of users, given specified training and user support, to fulfil the specified range of tasks, with the specified range of environmental scenarios.”[8]
  Shackel/Richardson verwenden in ihrer Definition aus dem Jahr 1991 bereits die Begriffe effizient, effektiv und Tasks. Diese sind bis heute aktuell und finden sich in zahlreichen Definitionen wieder. Shackel/Richardson merken an, dass das Herausfinden der messbaren Aspekte besser ist, als nur ein ungefähres Gefühl über die Benutzerfreundlichkeit eines Produkts oder Systems zu haben.[9] Sarodnick/Brau beschreiben Usability als
„… keine eigenständige Disziplin wie Ergonomie, sondern eine Qualität eines technischen Systems. Sie ist ein Ziel der Gestaltung nach den Erkenntnissen der Ergonomie“.[10]
  Mit DIN EN ISO 9241-11 existiert eine internationale Norm, welche Usability folgendermaßen beschreibt (mehr dazu in Kapitel 4.2):
Usability: the extent to which a product can be used by specified users to achieve specified goals with effectiveness, efficiency and satisfaction in a specified context of use.”[11]
  Usability ist für Nielsen keine eindimensionale Eigenschaft einer Benutzeroberfläche. Sie hat mehrere Komponenten und setzt sich aus den folgenden zusammen:
  • Learnability (Lernfähigkeit): Damit NutzerInnen schnell mit dem System arbeiten können, sollte es leicht zu erlernen sein.
  • Efficiency (Effizienz): Sobald AnwenderInnen mit dem System arbeiten können, sollte es effizient zu bedienen sein, damit eine Produktivität erreicht werden kann.
  • Memorability (Einprägsamkeit): Arbeiten Personen nicht ständig mit dem System, sollte es leicht sein, sich an die Benutzung zu erinnern, um nicht alles erneut lernen zu müssen.
  • Errors (Fehler): Um so viele Fehler wie möglich zu vermeiden, sollte ein System eine geringe Fehlerrate mit sich bringen.
  • Satisfaction (Zufriedenheit): AnwenderInnen sollen bei der Benutzung des Systems zufrieden sein.[12]
  Usability ist üblicherweise in Bezug zu anderen Faktoren beschrieben. Vier dieser fünf häufigen Faktoren hat Nielsen bereits 1993 definiert – die Determinante Einprägsamkeit (Memorability) wird von einigen Forschern außen vor gelassen. Die anderen vier werden von vielen anerkannten Wissenschaftlern auf dem Human-Computer-Interaction-Forschungsgebiet in deren Usability-Definition angewendet. Auch wenn nicht immer derselbe Ausdruck verwendet wird, ist zumeist dasselbe Attribut gemeint. Die unterschiedlichen Ausdrücke sind in Tabelle 2 beschrieben und zeigen den Bedarf eines einheitlichen Schemas mit konsistenten Attributen und Metriken.[13]  
Constantine & Lockwood (1999)ISO 9241-11 (1999)Nielsen (1994)Preece et al. (1994)Shneiderman (1992)Shackel (1991)
Efficiency in useEfficiencyEfficiency of useThroughputSpeed of performanceEffectiveness (Speed)
LearnabilityLearnability (Ease of learning)Learnability (Ease of learning)Time to learnLearnability (Time to learn)
Remember-abilityMemorabilityRetention over timeLearnability (Retention)
Reliability in useErrors/safetyThroughputRate of errors by userEffectiveness (Errors)
User satisfactionSatisfaction (Comfort and acceptability of use)SatisfactionAttitudeSubjective satisfactionAttitude
Tabelle 2: Usability-Attribute unterschiedlicher Modelle[14]
  Usability-Engineering ist eine methodische Vorgehensweise, welche Usability bereits in frühen Entwicklungsstadien berücksichtigt. Es ergänzt das klassische Entwickeln um ergonomische Ansätze. Über die Phasen des Usability-Engineering Prozess und das Usability-Engineering generell wird im Zuge dieser Arbeit nicht näher eingegangen.[15]  
[1] Vgl. Figl, 2010, S. 324.
[2] Vgl. Sarodnick/Brau, 2006, S. 16f.
[3] Vgl. Abbildung aus: Wandmacher, 1993, S. 1.
[4] Vgl. Sarodnick/Brau, 2006, S. 17f.
[5] Vgl. Nielsen, 1993, S. 23ff.
[6] Vgl. Abbildung aus: Nielsen, 1993, S. 25.
[7] Vgl. Bevan, 2008, S. 15.
[8] Shackel/Richardson, 1991, 24.
[9] Vgl. Nielsen, 1993, S. 27.
[10] Sarodnick/Brau, 2006, S. 17.
[11] Bevan, 2001, S. 537.
[12] Vgl. Nielsen, 1993, S. 26.
[13] Vgl. Seffah/Metzker, 2008, S. 7.
[14] Vgl. ebenda.
[15] Vgl. Sarodnick/Brau, 2006, S. 19.