Agilität für jedes Unternehmen?

Agilität ist eines DER Buzzwords schlechthin in vielen globalen, großen aber auch lokalen, kleinen Unternehmen. Was genau aber bedeutet Agilität? Muss, soll und kann jedes Unternehmen agil sein? Diese Fragen möchte ich in diesem Blog-Beitrag genauer unter die Lupe nehmen.

„Agilität befähigt Organisationen, schnell und flexibel, antizipativ und initiativ, effektiv und effizient, proaktiv und reaktiv erfolgskritische Veränderungen zu vollziehen. Agilität macht es damit Organisationen möglich, sich stetig im Einklang mit den Wandlungen in ihrer Systemumwelt zu bewegen.“ (Olbert Sebastian, Prodoehl Hans Gerd: Überlebenselixier Agilität: Wie Agilitäts-Management die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sichert, S. 2).

Zahlreiche Eigenschaften werden hier von Olbert/Prodoehl zur Definition von Agilität verwendet. Unternehmen „müssen“ also unter anderem flexibel genug sein, um auf Marktereignisse schnell reagieren zu können, immer einen Schritt vor der Konkurrenz zu sein, Mitarbeitern eine moderne Arbeitsplatzumgebung bieten zu können, und um schneller, besser und vorausschauender handeln zu können.

„Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“ sagte schon Heraklit von Ephesos ca. 500 vor Christus. Das gilt natürlich für Organisationen mehr denn je. Agile Unternehmen werden oftmals durch flache Hierarchien und eine besonders offene Kommunikation charakterisiert, meistens in Form eines Großraumbüros, um die osmotische Kommunikation zu fördern (wie es bei SCRUM so schön heißt). Richtig umgesetzt und als ganzheitlich im Unternehmen betrachtet, kann Agilität auch einen Wettbewerbsvorteil und in einem dynamischen Marktumfeld Erfolg bedeuten, wie Olbert/Prodoehl auch untersuchen. Die große Gefahr bei starren, hierarchischen und traditionellen Unternehmen besteht darin, mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste von heute auf morgen „agil“ zu werden. Doch die Praxis zeigt, dass diese Transformation oftmals misslingt und vor allem MitarbeiterInnen auf der Strecke bleiben.

Häufig geht dieser schnelle, wenige ausgereifte Strukturwandel mit der sogenannten „Digitalen Transformation“ einher. Ein weiteres Buzzword, welches nicht nur von den „Big Four“ propagiert wird – mittlerweile ist jeder auf diesen Zug aufgesprungen, auch die „Kleinen“, lässt sich damit doch gutes Geld verdienen. Als Vermittlung der Botschaft werden klassische Konzepte der Verhaltenspsychologie angewendet: Ihr Unternehmen muss mit der digitalen Transformation sofort starten, sonst werden Sie nicht zukunftsfähig sein, denn die Konkurrenz schläft nicht (Angst, Unsicherheit). Olbert/Prodoehl stellen die These auf, dass Digitale Transformation nur dann gelingen kann, wenn Unternehmen Agilität leben. Wobei die Herausforderungen nicht aufgrund von Software oder Hardware entstehen, sondern vor allem durch kulturelle Barrieren in Organisationen und Veränderungsresistenzen.

Viele Standardprozesse in Unternehmen haben sich seit Jahrzehnten etabliert. Sie sind vielleicht nicht ganz so flexibel oder agil, aber ganz wichtig, sie funktionieren (noch). Es macht daher oft einfach keinen Sinn, alles mit Biegen und Brechen umzudrehen. Das heißt gleichzeitig nicht, dass man Prozesse hinterfragen darf. Und mit Sicherheit gibt es Prozesse, welche modernisiert gehören und agil gestaltet werden sollen und oft auch müssen. Genauso wie es für viele Abteilungen Sinn macht, dass sie so bleiben wie sie sind (Never change a running system) und viele andere sich anders aufstellen müssen, z.B. Entwicklungsabteilungen oder Abteilungen mit Kundenkontakt, wobei Kunden teilweise Agilität als Bedingung bei Ausschreibungen angeben. Weitere Eigenschaften von agilen Unternehmen neben der Flexibilität sind

  • Transparenz: jede/r im Unternehmen oder Team soll über relevante Informationen Bescheid wissen. Transparenz bedeutet aber auch, sich zwischen den Teams auszutauschen – „cross-functional“ wie es heute so schön heißt – zu kollaborieren und die alte Silodenkweise endlich aufzubrechen.
  • Eigenverantwortung: MitarbeiterInnen agieren selbstverantwortlich und sind proaktiv
  • Vertrauen: es herrscht eine angenehmen, fördernde Unternehmens- und Teamkultur. Fehler können und sollen offen angesprochen werden und zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Agilität muss von ganz oben (GF) gelebt und 100% unterstützt werden.

Mein Fazit: Agilität in Unternehmen ist wichtig, da es durchaus viele Vorteile bieten kann und man sich als Organisation auf jeden Fall damit beschäftigen sollte. Ich bin sehr kritisch, wenn Beratungsunternehmen mit Biegen und Brechen Unternehmen Prozesse und einhergehend die entsprechenden Tools (= Kosten! Und braucht man wirklich das xte-Tool?) überstülpen, welche entweder nicht individuell für das Unternehmen angepasst werden oder schlichtweg nicht notwendig oder unpassend sind. Unternehmen jeder Größe sollen und müssen für sich selbst Wege finden, um den sich ändernden Marktgegebenheiten entgegenzuwirken, um auch zukünftig erfolgreich zu sein.

Wie moderne Projektmanagementmethoden wie SCRUM und digitales Marketing zusammenspielen können, sehe ich mir im nächsten Blogartikel genauer an.

Quellen:

https://www.greatplacetowork.at/blog/agilitaet-im-unternehmen/

Olbert Sebastian, Prodoehl Hans Gerd (2019): Überlebenselixier Agilität: Wie Agilitäts-Management die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sichert.


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